Endlich ist es soweit. Berlin hat 60 Jahre nach Kriegsende, pünktlich zum 200. Geburtstag des Museums für Naturkunde, eine Kriegsruine weniger. Der Ostflügel des Museums ist wieder- oder besser: neuerrichtet worden.
Endlich hat das Museum für Naturkunde wieder eine würdige Sonderausstellung: ”Parasiten – Life Undercover”.
Über den (meines Empfindens) klitzekleinen Wermutstropfen schreib ich mal besser gleich vorneweg: Bei der Konzeption der Ausstellung hat man leider nur ungenügend berücksichtigt, dass der Ausstellungssaal auch eine dritte Dimension hat: die Höhe! Ein paar beleuchtete Stelen erschließen diese nur ungenügend; es fehlt etwas, was den Blick nach oben lenkt. Die beiden höchst anschaulichen, riesigen Zecken-Modelle, die dieses Manko hätten füllen können, wurden leider ins Foyer verbannt.
Aber egal: Die Ausstellung ist dennoch m. E. sehr gelungen. Nicht nur die “Klassiker” wie die verschiedensten parasitischen Würmer, Läuse oder Milben werden sehr aufschlussreich “behandelt”, sondern auch solche “Exoten” wie der “Zungenkrebs” oder der Madenhacker. Besonders interessant ist, dass auch lebendes “Ungeziefer”, wie Schmeißfliegen, Zecken, Bettwanzen und Flöhe zu sehen sind. Nicht vergessen wurde, dass Parasiten auch unter “höheren” Wirbeltieren zu finden sind; denken wir mal nur eben an den Kuckuck oder den Vampir. Und besonders erfreulich: Auch die offizinale Verwendung von Parasiten wird erläutert – ein schönes Beispiel ist der (im wahrsten Sinne des Wortes) Medizinische Blutegel.
Wer Zeit und vielleicht sogar Lust hat, sich mit einem solch “unappetitlichen” Thema auseinanderzusetzen, sollte sich sputen: Die Ausstellung geht (leider!) nach dem 25. Juli auf Wanderschaft. Normalerweise “halten” Sonderausstellungen im Museum für Naturkunde deutlich länger; aber im September wird der Ostflügel des Museums eröffnet, weshalb diesmal etwas früher “die Zelte abgebrochen” werden müssen, um dieses Ereignis mit einer entsprechenden neuen Sonderausstellung zu würdigen.
Also, lieber geneigter Rezipient dieser Internetpräsenz: Spute Dich! Es wäre schade, diese m.E. spannende kurze Sonderausstellung zu verpassen.
Tja, das ist der Lauf der Dinge. Irgendwann erwischt es jede(n), und der Sensenmann erntet seine Frucht.
So geschah es vor ein paar Jahren leider auch einem kleinen Elefanten – “Kiri“. Dem einen oder anderen Rezipienten dieses Textes, sofern deutlich älter als 10 Jahre, könnte das Tierchen bekannt sein. Und zwar aus dem Berliner Zoo, wo der kleine Asiatische Elefantenbulle im Jahr 2000 geboren wurde und leider noch im selbigen Jahr an einer Herpes-Infektion verstarb. Damals war er mindestens so beliebt wie Knut.[1]
Die Präparatoren des Museum für Naturkunde nahmen sich Kiris Leichnam an, um das Tierchen der Nachwelt zu erhalten, und schickten dessen Haut zu einer renommierten Gerberei, um sie für die Präparation vorzubereiten. Dieser sonst wirklich hervorragenden Gerberei geschah ein bis heute nicht erklärbares Missgeschick: Die Haut löste sich auf – genauer: Die Oberhaut hatte sich von der Unterhaut gelöst und war außerdem stark geschrumpft, weshalb sie eigentlich nicht mehr für die Herstellung einer Dermoplastik geeignet war.
Die findigen Präparatoren unseres Museums schafften es aber dennoch, Kiri der Öffentlichkeit zu erhalten – knapp 9 Jahre lang konnte Kiri nun im Naturkundemuseum betrachtet werden, zuletzt im Huftiersaal.
Jetzt hat Kiri sich ein zweites Mal vom Berliner Publikum verabschiedet. Seine Haut ist gerissen. Das geschah zwar in den letzten Jahren immer wieder da und dort; gestern aber so stark, dass er nicht mehr dem Publikum gezeigt werden kann. Dennoch wird Kiris Dermoplastik natürlich nicht “verschrottet”, sondern in den Sammlungen des Museums untergebracht.
Hoffentlich kann der “Kleene” ja doch noch irgendwann irgendwie repariert werden…
[1] Das ist der junge graue Eisbär im Berliner Zoo, der weltweit durch Film, Funk und Fernsehen als noch weißer “Wonneproppen” bekannt wurde und inzwischen neben seiner ursprünglichen Farbe und Kleinheit auch ziemlich an Popularität eingebüßt hat
s. auch Textarchiv der Berliner Zeitung
Früher habe ich mal Chamäleons gehalten. Und wer sich über diese Tiere informieren möchte, muss sich natürlich auch mit Literatur beschäftigen (übrigens gilt das für andere Tiere nicht minder!). So geriet mir, so um die Jahrtausendwende herum, ein Buch in die Hände (“Chamäleons – Drachen unserer Zeit”). Und unter Chamaeleo affinis war zu lesen, dass ein gewisser OSKAR NEUMANN schon vermutete, dass die Art im abessinischen Hochland in mehreren Unterarten vorkommen würde. Damals kam mir das lustig vor: Aha… Noch ein Oskar Neumann. Ich hab auch mal irgendwie nachgegoogelt und auch was über den Herrn gefunden; was allerdings nicht viel hergab…
Blick in die Häutesammlung. Der Moschusochse stand wohl aus Platzmangel da herum; inzwischen ist er anderswo untergebracht (Foto Juni 2010)
Letztens war ich mit meinen Schülern im Naturkundemuseum und ging mit ihnen durch die Sammlungen. In der Fellsammlung gibt es einen Schrank mit Elefanten- und Nashornhäuten. Irgend jemand hatte darin irgendwie herumgemurkelt, weshalb nicht wie üblich die vertrauten Etiketten herunterbaumelten (Auf denen kann man sehen, was für ein Tier das ist, wo es „gesammelt“ wurde und wer der Sammler war). Ich griff zum nächstbesten Etikett und da stand ganz dick mit Bleistift geschrieben: „Diceros bicornis, O. Neumann, Kopfteil“ (der wissenschaftliche Name lässt sich übrigens salopp ungefähr mit ”Zweihörniges Zweihorn” übersetzen; letztlich gehts hier um das Spitzmaulnashorn…).

